Foliage

Prolog

Liebster Johann,

Ich habe Dich nicht vergessen. Nach all den Jahren, vielleicht nach vielen Zeitaltern, sind meine Gedanken noch immer bei Dir. Es ist lange Zeit her, dass sie uns trennten. Sie zogen Dich von mir fort und meine Hände krallten sich an den rostigen Gitterstäben fest. Du wehrtest Dich nach Kräften, aber es half nichts. An beiden Armen wurdest Du fortgerissen hin zu dem einzigen Lichtpunkt in einem dunklen Kerker. Über mein schmutziges Gesicht rannen Tränen und es hätte nicht viel gefehlt und meine Verzweiflung hätte die eisenen Gitter meiner Zelle bezwungen. Doch sie brachten Dich fort und ich würde nie erfahren wohin.

Wir sehen uns wieder.

sagtest Du noch und dann sank ich langsam in mich zusammen, auf den lehmigen Boden. Ich kannte mein Schicksal und ich hatte so wenig Hoffnung wie nur irgend ein Mensch haben kann. Das Licht war erloschen. Aber ich konnte nicht wissen, dass Du Recht haben würdest, dass Du in diesem Moment mehr zu wissen schienst als ich. Wir würden uns wiedersehen in einem anderen Leben. Vielleicht nur für wenige Augenblicke, aber es würde reichen um uns zu erinnern oder zumindest um uns begreiflich zu machen, dass wir dieselbe Seele haben.

Dieses Leben ist jetzt.

In Liebe,

Clara.

2.6.09 21:54
 


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