Foliage

Brief vom 7. Juni 1895

Liebster Johann,

So viele Wochen sind vergangen, seit ich Deinen letzten Brief las. Die Sehnsucht nach Dir bringt mich um den Verstand. In all den Jahren habe ich mich daran gewöhnt nicht Dein Gesicht sehen, nicht Deine Stimme hören zu können. Doch nicht zu wissen was in Deinen Gedanken vor sich geht erscheint mir unerträglich.

Wo bist Du? Geht es Dir gut? Denkst Du an mich? Ist es meine Schuld? Oh, es sind immer die selben Fragen die mich quälen. Ich fühle, dass Du irgendwo dort draußen bist, in dieser großen weiten Welt und ich fühle, dass Du lebst und doch - wie oft hat mich mein Gefühl schon getrogen, wie oft habe ich mich selbst getäuscht, weil ich nur etwas wünschte. Weil ich mir Dich wünschte. So oft habe ich in den Himmel gesehen, all die funkelnden Sterne dort oben. Es war der einzige tröstende Gedanke, dass Du vielleicht ebenso in den Himmel blicktest, an mich dachtest und wusstest dass ich immer für Dich da wäre, auch wenn es mein eigenes Leben kosten würde. Denn ich hatte es verwirkt und Du schenktest es mir erneut. Vielleicht habe auch ich Dir das ein oder andere Mal etwas Hoffnung geschenkt, vielleicht mehr als das. Uns verbindet so unendlich viel, mehr als ich je in Worte fassen könnte.

Ich lausche dem Schweigen zwischen uns.

In Liebe,

Clara.

7.6.09 22:55
 


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